Jung, Alt & Social Media - Fluch und Segen zugleich

Veröffentlicht am 4. Oktober 2026 um 08:22

Zwischen Scheinwelt und echter Gefahr: Warum wir mit unseren Kindern anders über das sprechen müssen, was im Netz passiert

​Schon seit Ewigkeiten bewege ich mich jetzt in dieser Online-Welt. Als Influencerin kenne ich das Geschäft in- und auswendig. Ich weiß genau, wie viel Fake, wie viel Inszenierung und wie viel glänzende Scheinwelt hinter den Kulissen eines perfekten Feeds stecken – und wie viel echtes, manchmal eben auch unperfektes Leben dazwischenpassiert.

​Das Problem heutzutage: Kinder und Jugendliche wachsen in dieser Welt auf, aber ihnen fehlt oft noch der Filter, um das zu trennen.

​Der Druck der Perfektion: Wenn Algorithmen das Selbstbild prägen

​Heutige Jugendliche verstehen oft nicht mehr, dass das, was ihnen auf TikTok, Instagram und Co. entgegenschlägt, mit der Realität oft rein gar nichts zu tun hat. Die Mädels geraten unter einen enormen Druck, perfekt sein zu müssen – äußerlich, leistungsmäßig, immer im Trend. Und auch Jungs bekommen durch geschönte Ideale und neuerdings sogar immer raffiniertere KI-Videos völlig verzerrte, oft toxische Bilder vorgelebt, wie ein Mann zu sein hat oder wie Beziehungen funktionieren sollen.

​Das Internet ist längst kein harmloser digitaler Spielplatz mehr. Es kann verdammt gefährlich werden, wenn man unvorbereitet hineinschlittert.

​Wenn die digitale Welt zu nah kommt: Vorsicht bei Kontakten

​Gerade weil viele denken, das Gegenüber im Netz wäre wie im echten Leben vertraut, lauern hier reale Gefahren. Deshalb muss eine ganz klare Regel gelten:

  • ​Werde hellhörig, wenn dich jemand Fremdes anschreibt!
  • ​Vorsicht bei Forderungen: Wenn plötzlich nach privaten Fotos, Videos oder sonstigen sensiblen Dingen gefragt wird, gehen alle Alarmglocken an.

​Niemand hat das Recht, so etwas von euch zu verlangen. Und vor allem: Ihr seid niemals schuld, wenn euch jemand in eine solche Situation drängt.

​Das Wichtigste: Reden ist der beste Schutz

​Das Schlimmste, was in solchen Momenten passieren kann, ist die Angst oder die Scham, sich jemandem anzuvertrauen. Viele Jugendliche schweigen, weil sie Ärger befürchten oder sich schämen.

​Deshalb mein Appell an euch da draußen: Redet offen darüber! Egal, ob mit den Eltern, einer Vertrauensperson oder einer Lehrerin. Und scheut euch nicht davor, bei gravierenden Vorfällen auch zur Polizei zu gehen. Es ist keine Petzelei, sich Hilfe zu holen – es ist der erste und wichtigste Schritt, um sich selbst zu schützen.

​Das Internet ist nicht der Feind – aber wir müssen auf unsere Psyche achten

​Lass mich eines ganz klar sagen: Ich verteufel das Internet nicht. Ganz im Gegenteil! Das Internet ist toll. Man kann so viele fantastische Sachen machen, sich verbinden, lernen und kreativ sein. Auch die KI ist eine großartige Errungenschaft mit unfassbaren Möglichkeiten.

​Aber man muss es eben bewusst und mit einer gewissen Portion Wachsamkeit nutzen – vor allem, um sich selbst und seine psychische Gesundheit zu schützen. Denn was im Netz passiert, ist längst keine „digitale Spielerei“ mehr, die man einfach ausschalten kann. Viele Jugendliche sind völlig überfordert – sei es durch massives Mobbing, den ständigen Leistungsdruck oder den Zwang zur Perfektion.

​Das Traurige ist: Die psychischen Folgen davon werden oft viel zu wenig ernst genommen. Wenn der Druck unerträglich wird, schlägt das bei vielen in ernste Krisen um: von psychischen Störungen über Essstörungen und körperliche Probleme bis hin zu dem Punkt, an dem junge Menschen keinen Ausweg mehr sehen und im schlimmsten Fall sogar suizidär werden, weil sie das Gewicht dieser Scheinwelt nicht mehr tragen können.

​Warum wir mit der Zeit gehen müssen

​Genau deshalb braucht es heute Menschen, die wissen, wovon sie reden. Wer absolut keinen Bezug zu dieser Branche hat, versteht oft die Ausdrücke, die Dynamiken und den Druck gar nicht, der auf den Kids lastet. Man muss mit der heutigen Generation gehen – egal, wie alt man selbst ist. Und ich bin überzeugt davon, dass Menschen mit echten Einblicken und jahrelanger Erfahrung das nötige Werkzeug haben, um diesen Ton zu treffen.

​Mit meiner Firma bin ich deshalb aktuell in intensiven Gesprächen, um direkt in Schulen Vorträge zu halten. Wir wollen Kindern und Jugendlichen ein echtes Bewusstsein für das Netz vermitteln. Ich möchte meine Erfahrung nutzen, um der neuen Generation zu zeigen, wie man sich schützt, wie man seine mentale Gesundheit wahrt und das Internet als das nutzt, was es sein kann: eine riesige Chance, wenn man gelernt hat, stark und achtsam durch diese Welt zu gehen.


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