Vom tiefsten Abgrund zurück ins Leben

Veröffentlicht am 20. Juni 2026 um 16:04

Warum du niemals aufhören darfst zu kämpfen

​Ich schreibe diese Zeilen heute nicht als jemand, der oben auf dem Berg steht und kluge Ratschläge nach unten ruft. Ich stehe nicht am ultimativen Ziel. Wenn ich ehrlich bin, bin ich selbst noch mitten auf dem Weg, arbeite jeden Tag an mir und habe meine eigenen Baustellen. Ich glaube sogar, dass wir ein Leben lang an uns arbeiten müssen. Aber genau deshalb schreibe ich das hier: Weil ich weiß, wie verdammt tief das Loch sein kann, in dem du vielleicht gerade steckst.

​Ich kenne diesen Küchenboden nicht nur metaphorisch. Ich saß dort. Real.

​Der Anfang vom Ende war damals eine extrem toxische, giftige Beziehung, die mich emotional komplett ausgesaugt und am Ende völlig gebrochen hat. Als dieses Kartenhaus in die Brüche ging, war es, als würde mein ganzes Leben vor meinen Augen implodieren. Ich war plötzlich ganz alleine und habe innerhalb kürzester Zeit alles verloren: meine Gesundheit, mein Geld, meine Lebensfreude und – wenn ich ganz ehrlich bin – fast meinen Verstand.

​Nach dieser Trennung habe ich mich eine Zeit lang komplett in ein tiefes Loch vergraben. Ich habe mich von der gesamten Welt isoliert, Mauern hochgezogen und dem Leben die Schuld für mein Elend gegeben. Das Gefährliche daran ist: Man gewöhnt sich irgendwann an dieses Isolierte, an das Alleinsein und an das Weg-von-der-Welt-Sein. Es wird fast schon zu einer traurigen Komfortzone. Und als ich dann endlich wieder zurück ins Leben kommen wollte, musste ich viele alltägliche Dinge erst wieder mühsam lernen. Es war, als müsste ich das echte Leben komplett neu trainieren.

​Und genau hier möchte ich dir einen extrem wichtigen Tipp geben: Mach nicht denselben Fehler wie ich damals. Wach früher auf! Warte nicht so lange. Ich habe durch dieses Verkrümeln und Verbittern unfassbar viel wertvolle Lebenszeit vergeudet. Zeit, die mir niemand mehr zurückgibt. Wenn man in diesem Loch bleibt, wird es nicht besser – es wird immer nur noch schlimmer.

​Der Tag, an dem fast alles vorbei war

​Ich will nichts beschönigen: Der Tag, an dem bei mir der Wendepunkt kam, war eigentlich der Tag, an dem mein Leben fast zu Ende gewesen wäre. Ich stand ganz nah am Abgrund. Nicht umsonst heißt es „from suicidal to success“. In mir war alles so dunkel, dass ich mein Leben beenden wollte.

​Bei mir ist es gut gegangen. Ich habe überlebt. Ich habe diese Kurve in letzter Sekunde gekriegt. Aber weißt du was? Bei jemand anderem geht es vielleicht nicht gut aus. Dann funktioniert das Aufstehen nicht mehr. Und dann ist es für immer zu spät.

​Deshalb richte ich diese Worte ganz tief aus meinem Herzen an dich: Es muss nicht erst so weit kommen. Du musst nicht erst ganz unten im tiefsten Abgrund stehen und dein Leben riskieren, nur um endlich eine Veränderung zu sehen. Du musst nicht erst sterben wollen, um zu begreifen, dass du leben willst. Du kannst die Reißleine vorher ziehen. Genau jetzt.

​Der Moment, in dem ich mir Hilfe holte

​Als ich an diesem absolut kritischen Punkt stand, musste ich eine Entscheidung treffen: Aufgeben oder aufstehen? Ich habe begriffen, dass mich das Jammern und das Hadern mit dem Schicksal nicht retten werden. Ja, das Leben war unfair. Aber ich war die Einzige, die mich da wieder herausholen konnte.

​Ich habe mein Ego beiseitegeschoben und mir eingestanden: Ich schaffe das nicht allein. Und das war der eigentliche Wendepunkt. Ich habe mich entschieden: So, und jetzt hole ich mir Hilfe und kriege mein Leben wieder auf die Reihe. Es folgte ein harter Heilungsprozess mit Therapien, Coachings und unendlicher Arbeit an mir selbst. Es ging nicht von heute auf morgen, aber ich habe gelernt, zu sagen: Okay, es tut weh. Es ist verdammt viel Schmerz. Aber es geht weiter – und es wird auch wieder schöner weitergehen.

​Es stimmt einfach:

​Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.

 

​Als ich mitten im Schlamm steckte, habe ich nur Scherben gesehen. Heute, im Rückblick, begreife ich es. Erst als ich aufgehört habe, dem Leben die Schuld zu geben, und die Verantwortung für mich selbst übernommen habe, konnte ich ein völlig neues, gesundes Fundament aufbauen.

​Mein persönlicher Deal: Zwei Tage Selbstmitleid sind erlaubt

​Ich bin keine Maschine und ich tue auch heute nicht so. Wenn ich merke, dass die alten Schatten kommen oder ein Tag einfach komplett gegen die Wand fährt, dann erzwinge ich nichts.

​Ich nehme mir diese ein, zwei Tage. Ich gehe in den Boxenstopp. Ich suhle mich im Selbstmitleid, finde alles unfair und bin wütend. Lass den Frust raus, weine, schreie – das ist menschlich! Aber ich habe seit meinem Tiefpunkt einen eisernen Deal mit mir selbst: Danach stehe ich wieder auf. Ich bleibe nicht im Dreck liegen. Ich schüttle den Staub ab, höre auf zu klagen und arbeite weiter. Die Opferrolle bringt uns nicht an unsere Ziele.

​Die Blume in der grauen Wiese: Worauf schaust du?

​Weil dieser Weg uns wahrscheinlich unser ganzes Leben lang begleiten wird, habe ich für mich beschlossen: Ich will diesen Weg trotz aller Härte mit positiven Vibes und echter Freude am Leben gehen.

​Ich stelle mir das Leben heute immer vor wie eine Wiese im tiefsten Winter: Alles ist kahl, matschig, grau und trist. Aber wenn man ganz genau hinsieht, kämpft sich mitten in diesem Grau die allererste, kleine Blume durch den gefrorenen Boden nach oben und leuchtet.

​Ich muss mich jeden Tag aufs Neue fragen: Worauf richte ich meinen Blick?

  • ​Starre ich permanent auf die riesige, graue, hässliche Wiese, bemitleide mich selbst und beschwere mich über das Wetter?
  • ​Oder fokussiere ich mich auf diese eine, kleine Blume – auf den winzigen Fortschritt, die wiedergewonnene Lebensfreude – und ziehe daraus die Kraft für den nächsten Schritt?

​Die graue Wiese kannst du oft nicht sofort wegzaubern. Aber die Blumen, die besseren Zeiten, sind auch da. Es ist eine Frage deiner Entscheidung.

​Bitte wach auf – es kommen bessere Zeiten

​Egal, wie dunkel es gerade bei dir aussieht, wie sehr du den Sinn verloren hast und wie müde du bist: Hör bitte nicht auf zu kämpfen, aber warte nicht, bis du am Abgrund stehst. Geh nicht so weit wie ich. Egal wie schlimm es jetzt gerade ist – es kommen garantiert wieder bessere Zeiten. Du musst da jetzt einfach durch, aber du musst es nicht alleine tun.

​Es ist keine Schwäche, sich Hilfe zu suchen – es ist die größte Stärke, die du besitzen kannst, um dein Leben zu retten. Nimm dir deine kurzen Pausen, wenn du sie brauchst. Aber dann steh wieder auf, übernimm die Kontrolle, hol dir Unterstützung, schau auf die Blumen und geh weiter. Bleib nicht in der Isolation gefangen. Das Leben da draußen ist viel zu schön, und du bist viel zu wertvoll, um in einem dunklen Loch zu bleiben. Du schaffst das. Bitte wach vorher auf.

Ein letzter, wichtiger Rat: Such dir deine Menschen

​Wenn du dich jetzt fragst, wie du den Schritt zurück ins Licht schaffen sollst: Versuche, gezielt nach Menschen zu suchen, denen du wieder vertrauen kannst. Such dir ein Umfeld, in dem du dich absolut wohlfühlst, in dem du einfach du selbst sein darfst und in dem man dich genau so akzeptiert, wie du bist – vielleicht auch gerade deshalb, weil du nach allem etwas „anders“ bist als vorher.

​Finde Menschen, bei denen du deine soziale Batterie aufladen und echte Energie tanken kannst. Und wenn du dieses Umfeld gefunden hast, dann pflege es. Bleib bei ihnen. Zieh dich nicht wieder in dein Gehäuse zurück. Lass dir von diesen Menschen wieder das Leben zeigen. Lass dich von ihnen mitreißen und mitnehmen, selbst an deinen schlechten Tagen.

 

​Ich weiß, dass es am Anfang verdammt schwer ist. Man muss sich zu jedem Treffen, zu jedem Gespräch regelrecht aufraffen. Aber vertrau mir: Es wird mit der Zeit besser. Schritt für Schritt lernst du das soziale Leben wieder neu und irgendwann kommt der Moment, an dem du spürst, wie sehr du diese Verbundenheit eigentlich gebraucht hast. Du musst das nicht alleine durchstehen. Lass die richtigen Menschen an deine Seite.

Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt zu lesen 

In liebe Jen🤍

 


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Kommentare

Uwe Schiefer
Vor einem Monat

Liebe Jen 🫶🏻🤍🐦‍🔥

Sehr schöne und wahre Worte 🤍
Ich selbst bin ja wie du auch weißt oder dich erinnerst, Anfang Mai wieder in die Heimat zurück gezogen und fange wieder einmal im meinem Leben von vorne an 🤷🏻‍♂️😁😎 und ja es ist schwer, aber es geht weiter.
Auch ich muss meine soziale Batterie wieder komplett neu aufladen und auch ich muss mir endlich professionelle Hilfe holen um wieder richtig leben zu können.
Welche Hilfe? Ich habe vor über 26 Jahren zwei Jahre lang im Dreischichtsystem gearbeitet und fast jeden Tag eine andere Schicht gehabt,was meinen Schlaf so kaputt gemacht hat das ich maximal 4-5 Stunden in einem Stück durchschlafen kann und danach nur noch im 1-2 Stunden Takt.
Auf die ganzen Jahre hin bis jetzt hat sich das so ausgewirkt das mich mittlerweile einfache Dinge,wie Brief schreiben oder Formular ausfüllen, total überfordern und mein Gehirn total zu macht, was einem noch zusätzlich belastet.
☝🏻☝🏻Aber ich bin genau so vom Sternzeichen Widder und gebe nicht auf. Der Neuanfang ist jetzt das beste für mich um eins nach dem anderen anzugehen, von vorne anzufangen und was besseres daraus zu machen.
Ich wünsche dir persönlich weiterhin alles erdenklich gute und das wichtigste viel viel Gesundheit 🫶🏻🫶🏻 und ich weiß auch du wirst den größten Teil zu 💯% schaffen.
Das eine oder andere vielleicht nicht ganz,aber so weit das es dir da auch wieder besser geht 😊🤍🫶🏻

Ganz ganz liebe Grüße

Jen's Uwe 😋😊🤍🫶🏻🐦‍🔥