Ausgebremst auf der Zielgeraden...

Veröffentlicht am 8. Juni 2026 um 10:24

Warum das Warten kurz vor dem Ziel am meisten wehtut

​Kennt ihr diese tiefe, bleierne Müdigkeit? Nicht die Art von Müdigkeit, die nach einer Mütze voll Schlaf verschwindet. Sondern eine Müdigkeit, die sich in der Seele breitmacht, weil man das Gefühl hat, das ganze Leben besteht seit Jahren aus einem einzigen, zermürbenden Marathon.

​Wir schreiben das Jahr 2026. Und wenn ich ehrlich bin und zurückblicke, muss ich sagen: Es geht voran. Es wird durchgezogen. Wenn ich das mit der Situation vor fünf Jahren vergleiche, stehe ich heute an einem ganz anderen Punkt. Ich habe unglaublich viel geschafft, Baustellen angepackt und Pläne umgesetzt. Das Ziel ist da, ich kann es quasi schon sehen. Es ist nicht mehr unendlich weit weg.

​Aber genau hier liegt das Problem: Weil der Weg bis hierher so unendlich viel Kraft gekostet hat und die letzten Jahre eine absolute Quälerei waren, ist mein Geduldsfaden mittlerweile hauchdünn.

​Wenn „Kleinigkeiten“ zur Mammutaufgabe werden

​Für Außenstehende mag es lächerlich klingen, wenn man sich über eine verspätete Rückmeldung, einen verschobenen Termin oder eine unbeantwortete E-Mail aufregt. Andere stecken das vielleicht locker weg. Aber für mich fühlen sich diese banalen Dinge im Moment an wie eine Ewigkeit.

​Warum? Weil ich fast da bin, aber eben noch nicht ganz. Und wenn man mit dem absolut letzten bisschen Energie auf der Zielgeraden läuft, bringt einen jeder Kieselstein zum Stolpern. Meine Stressresistenz ist nach all den Jahren einfach im Keller. Das ständige Angewiesen-Sein auf dritte Personen, die Termine nicht einhalten oder sich tagelang nicht melden, wird da schnell zur psychischen Belastungsprobe.

Die Illusion der modernen Welt: Schneller, aber unverbindlicher

 

​Es ist doch das paradoxeste Phänomen unserer Zeit: Wir leben in einer Welt, in der alles nur noch einen Klick entfernt ist. Alles soll smarter, digitaler und theoretisch einfacher sein. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Es fühlt sich an, als wäre mit der zunehmenden Schnelligkeit die echte Verlässlichkeit auf der Strecke geblieben. Und das ist kein rein persönliches Gefühl von mir – wenn man sich umhört, fällt das im Moment so vielen Menschen auf. Es zieht sich durch alle Lebensbereiche und betrifft immer mehr Leute. Früher gab es dieses ungeschriebene Gesetz, dass ein Wort auch ein Wort ist. Heute versteckt man sich hinter unverbindlichen E-Mails, schiebt Termine hin und her und lässt andere ohne schlechtes Gewissen hängen. Die Technik macht unser Leben vielleicht theoretisch leichter, aber das menschliche Miteinander und das Vertrauen darin sind spürbar schwieriger und anstrengender geworden.

​Der Rattenschwanz: Wenn das Vertrauen schwindet

​Aus reinem Selbstschutz schaltet die Psyche irgendwann auf Abwehr. Wenn man immer wieder vertröstet wird, fängt man an, alle über einen Kamm zu scheren. Ich merke, wie ich mich zurückziehe und es mir schwerfällt, überhaupt noch in irgendetwas oder irgendwen Grundvertrauen zu setzen.

​Das ist ein absoluter Rattenschwanz. Denn im Leben hängt nun mal alles miteinander zusammen. Macht man innerlich dicht, schränkt das den gesamten Alltag und das Miteinander ein. Man fühlt sich wie ein Ping-Pong-Ball: Man will den letzten Schritt machen, wird aber durch eine kleine Enttäuschung wieder ein Stück zurückgeworfen.

​Es geht nicht darum, dass nichts passiert. Es geht darum, dass die Kraft fehlt, um noch länger auf das zu warten, was eigentlich schon greifbar ist.

 

​Mein Wunsch: Einfach mal durchatmen

​Ich weiß, dass das Leben ein ständiges Auf und Ab ist. Aber nach all den Jahren des Kämpfens habe ich mir für dieses Jahr einfach eine Sache erhofft: Eine Atempause.

​Ich wünsche mir nicht das perfekte, problemlose Leben. Ich wünsche mir einfach nur ein paar Wochen am Stück, in denen die Dinge unkompliziert funktionieren. Ohne Verzögerungen, ohne geplatzte Absprachen. Ein paar Wochen, um einfach mal durchgehend zu atmen und die Batterien wieder aufzuladen, anstatt die letzte verbliebene Energie im Wartezimmer des Lebens zu verpulvern.

​Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, dass es mein Jahr wird, in dem sich die Dinge endlich zum Guten wenden. Und ich hoffe von Herzen, dass diese Durststrecke auf den letzten Metern bald vorbei ist.

​Wie geht es euch kurz vor dem Ziel? Verlasst euch im Endspurt auch manchmal die Geduld bei Dingen, die andere für total banal halten? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!


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