Toxisch ist nicht immer bösartig

Veröffentlicht am 2. Juni 2026 um 09:34

Toxisch ist nicht immer bösartig – aber für mein PTBS macht das keinen Unterschied

​Wir müssen dringend über ein Wort reden, das inflationär benutzt wird, dessen Realität aber verdammt wehtut: Toxizität.

​Wenn wir an toxische Menschen denken, haben wir oft das Bild von böswilligen Manipulatoren vor Augen. Von Menschen, die ganz bewusst verletzen wollen. Aber die Realität in unserer Gesellschaft sieht anders aus. Unfassbar viele Menschen legen heutzutage toxische Verhaltensweisen an den Tag, ohne es überhaupt zu merken. Ohne böse Absicht.

​Oft sind es sogar die Menschen aus dem engsten Umfeld: die eigene Familie oder langjährige Freunde.

​Sie leben in ihrem eigenen Film, müssen permanent ihr Ego füttern oder versuchen krampfhaft, Everybodys Darling zu sein – und merken dabei gar nicht, wie viel Porzellan sie bei anderen zerschlagen.

​Wenn „gut gemeinte Hilfe“ zu Druck wird

​Ganz oft wollen diese Menschen eigentlich nur helfen. Sie meinen es gut. Aber sie merken überhaupt nicht, dass ihre vermeintliche Hilfe in Wirklichkeit ein enormer Druck ist, der mich erstickt. Wenn sie dann von mir berechtigten Gegenwind bekommen, fallen sie aus allen Wolken. Sie sind völlig entsetzt, denn „sie wollten ja nur helfen“.

​Und genau in diesem Moment drehen sie den Spieß um. Dann kommen die Vorwürfe, ich müsse immer recht haben, sei ein Klugscheißer oder würde alles besser wissen. Mir wird vorgeworfen, ich würde nur fordern und denken, dass ausschließlich meine Wahrheit richtig sei.

​NEIN. Einfach nein.

 

​Es braucht mir schlichtweg niemand, der noch nicht wirklich intensiv an sich selbst gearbeitet hat, irgendetwas darüber zu erzählen. Wenn ich stur und dickköpfig bleibe, dann deshalb, weil ich Ahnung und tiefes Wissen über mich und meine Psyche habe. Ich lasse mich nicht mehr umdrehen oder verunsichern. Und da ist es mir auch völlig egal, ob mein Gegenüber 10, 20, 30 oder 40 Jahre älter ist als ich – Alter schützt vor Unwissenheit nicht. Wenn man nicht wie ich jahrelang harte Arbeit in Therapien gesteckt hat, kann man da einfach nicht mitreden.

​Wer wahre Empathie besitzt, der spürt, wann Schluss ist. Der merkt sich, was ihm gesagt wurde, und respektiert das. Wahre Empathie bedeutet, dass man auch mal von seinem eigenen Ego herunterkommen muss. Wer mich wirklich mag, der will sich in der Mitte treffen, um echte Harmonie zu haben.

​Wer das nicht tut, wer immer noch einen draufsetzen muss und Grenzen ignoriert, der kann oder will einfach keine Ruhe geben. Egal ob bewusst oder unbewusst: Es ist Manipulation – und zwar zu den eigenen Gunsten. Punkt.

​Wenn der Körper die Vergangenheit spürt

​Ich erkläre mich vorher. Ich kommuniziere meine Grenzen klar und deutlich. Und trotzdem gibt es Menschen, die nicht zurückstecken können. Aber es ist mir mittlerweile egal, ob jemand unbewusst handelt oder es „nicht so gemeint“ hat. Denn diese toxischen Züge gehen mir direkt an die Substanz. Sie gehen mir an den Körper.

​Diese Dynamiken erinnern mich an das, was war. Sie triggern mich. Sie versetzen meinen gesamten Körper in Sekundenschnelle zurück in meine Vergangenheit. Mein PTBS schlägt aus, mein Nervensystem schießt in den Alarmmodus, und mein Körper unterscheidet in diesem Moment nicht, ob das Gegenüber es böse meint oder einfach nur unachtsam ist. Der Schmerz und der Stress sind absolut real.

​Wenn ich merke, dass ich jemanden verletze oder eine Grenze überschreite, dann halte ich inne. Ich reflektiere. Und genau diesen Respekt verlange ich auch für mich.

​Mein gutes Recht auf eine gesunde Distanz

​Ich habe jahrelang mühsam gelernt, mich selbst zu schützen. Und deshalb ziehe ich jetzt Konsequenzen. Wer nicht in der Lage ist, im richtigen Moment zu stoppen und die eigenen Muster zu hinterfragen, fliegt aus meinem Leben – oder bleibt eben auf einer gesunden, weiten Distanz.

​Das ist kein Akt von Bosheit meinerseits. Es ist schlichtweg mein gutes Recht. Ich darf mir aussuchen, wen ich permanent um mich haben will und wen nicht. Meine mentale und körperliche Gesundheit ist mir ab heute wichtiger als das Ego von Menschen, die nicht an sich arbeiten wollen.

​Man muss nicht bösartig sein, um mir nicht gutzutun. Und ich muss mich nicht mehr dafür entschuldigen, dass ich mein Leben von dem befreie, was mein Nervensystem krank macht.

Für viele mag es streng wirken, für mich bedeutet es wenn du mich magst; möchtest du dass ich gesund bin/werde und somit akzeptierst du auch wenn es dir nicht immer passt. 


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