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Zwischen Mauern, Mustern und dem Wunsch nach Ruhe: Warum mein Rückzug kein Egoismus ist
Vielleicht kennst du das Gefühl, ständig im falschen Film zu sitzen. Du spielst nach den Regeln, die du mühsam gelernt hast, um dich selbst zu schützen, aber für die Welt um dich herum bist du plötzlich diejenige, die „schwierig“ ist.
Ich möchte heute ehrlich sein. Über mein Wesen schreiben, das so oft missverstanden wird.
Meine Vergangenheit hat Spuren hinterlassen. Durch meine Geschichte und all das, was mir widerfahren ist, bin ich ein sehr misstrauischer Mensch geworden. Vertrauen ist für mich kein Vorschuss, den ich einfach so verschenken kann. Es ist ein zerbrechliches Gut. Weil mein Nervensystem oft auf Hochtouren läuft, brauche ich extrem viel Ruhe. Ich brauche meine Auszeiten, meine Höhle, meinen Rückzugsort. Einfach Zeit, um mit mir selbst im Reinen zu sein.
Das Missverständnis der Gesellschaft
In der heutigen, lauten Welt scheint das aber kaum noch jemand zu verstehen. Ich ecke extrem an. Ich merke immer wieder, wie schwer es für mein Umfeld ist, meine Grenzen zu greifen. Wenn ich spüre, dass ich nicht verstanden werde, fange ich irgendwann an, darauf hinzuweisen. Ich erkläre mich. Ich versuche, Brücken zu bauen.
Und genau dann passiert das, was mich innerlich zerreißt: Es wird umgedreht.
Plötzlich bin ich die Egoistin. Diejenige, um die sich angeblich alles drehen muss. Dabei will ich gar kein Drama. Ich will einfach nur, dass meine Grenzen akzeptiert werden. Ich wünsche mir so sehr, dass man sich in der Mitte trifft. Aber stattdessen stehe ich oft alleine da.
Wenn Weiterentwicklung einsam macht
Ich bin in meinem Umfeld die Einzige, die den Schritt gegangen ist, eine Therapie zu machen. Ich habe angefangen, meine Muster zu hinterfragen. Für mich war das ein Rettungsanker – für viele Menschen um mich herum bin ich dadurch plötzlich „zu psychologisch“. Es ist paradox: Man arbeitet an sich, um gesünder zu leben, und wird dafür verurteilt, dass man die alten, toxischen Spiele nicht mehr mitspielt.
Ich kenne diese toxischen Muster aus meiner Vergangenheit, ganz besonders aus meinen Beziehungen. Wenn mich heute eine Situation, eine Reaktion oder ein Wort an diesen alten Schmerz erinnert, schlägt mein inneres Alarmsystem an. Mein Schutzmechanismus ist der Rückzug.
Ich mache dann nicht dicht, weil ich jemanden bestrafen will. Man kann immer noch mit mir reden. Aber ich bin dann erst einmal zurückgezogen. Ich muss das Erlebte sortieren. Doch auch das passt den Menschen nicht.
Der ewige Kreislauf
Manchmal fühle ich mich, als könnte ich es niemandem recht machen. Egal, was ich tue, es fühlt sich falsch an:
- Ziehe ich mich zurück, um mich zu schützen, gilt es als Abweisung.
- Setze ich eine klare Grenze, gilt es als Egoismus.
- Und wenn ich versuche, es doch wieder allen recht zu machen, kämpfe ich sekundenlater mit meinem eigenen schlechten Gewissen, weil ich mich selbst verraten habe.
Es ist ein ständiger Kreislauf aus Erklären, Anecken und Schuldgefühlen.
Ich schreibe das hier nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe das, weil ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Und ich schreibe das als Erinnerung an mich selbst: Meine Ruhe ist nicht verhandelbar. Meine Grenzen sind kein Angriff auf andere, sondern der Schutzraum für meine Seele. Und es ist okay, wenn manche Menschen den Weg in diesen Raum nicht finden.
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